Thomas Krüger: Sonett auf den Geist des Landes 

Sonett auf den Geist des Landes

Am Abend – wenn in allem Kuhverschnaufen

was Milch-der-Frühes ist, verborgen – bellt 

ein Hofhund ohne Ort den Höfen, stellt

die Tatortdüsternis im Draußen, laufen

 

an Satellitenschüssel-Gülletraufen

die Melkmaschinen einer Innenwelt,

die Lebe-Nochs mit Leichen unterhält:

Dann mußt du dich mit RTL besaufen.

 

Du gehst ins Bett, das Dunkel will dir sein

ein suppend feuchtes kaltes Raucherbein.

Du schläfst nicht ein. Du ziehst dich an in dir.

 

Du hinkst in Gummistiefeln um halb vier

durch schweren Lehm, aus dem ein blinder Meister

Gestalten formt wie dich – wie du, so heißt er.